Alaska

08.06. – 19.06.2016 – Anchorage und Denali National Park
20.06. – 05.07.2016 – Kenai Halbinsel

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Anchorage

Alaska – welch ein Kontrast zu Hawaii! Statt tropischem Regenwald und Schnorchelparadies schneebedeckte Bergkulisse, Sumpfland, Wasserflugzeuge und Schlittenhunde.

Unser Airbnb-Haus in Anchorage in der Nähe des Hood Lakes, wo alle paar Minuten ein Wasserflugzeug startet oder landet, ist super ausgestattet. Im Garten steht ein immer heißer Whirlpool, in dem wir uns abends gerne „gar kochen“ lassen.

Wir nutzen die ersten Tage in Anchorage, um uns für die bevorstehende Rundreise im Camper zu organisieren und lernen die Stadt kennen. Besonders das Anchorage Museum ist auch für Kinder eine tolle Attraktion.

Die Übernahme des Campers ist eine Katastrophe. Zur Klärung der vielen Ungereimtheiten und Mängel verbraten wir geschlagene sechs Stunden. Clippership Motorhome Rentals können wir wirklich nicht weiterempfehlen. Zum Glück haben wir es nicht eilig. Wir hängen noch eine Nacht in Anchorage dran und füllen den Camper mit Proviant für die kommenden Wochen.
Als erstes fahren wir Richtung Norden zum Denali Nationalpark. Aber bereits kurz nach der Abfahrt ereilt uns eine böse Überraschung: ein Hinterreifen ist platt! Beim Reifenhändler stellt sich heraus, dass ein völlig verschlissener, 20 Jahre alter Reifen montiert ist! Der Camper hat hinten Doppelreifen und die inneren Reifen sind nicht gut sichtbar, weshalb wir bei der Übernahme nichts bemerkt haben. Der Schaden ist schnell behoben und der nette Reifenhändler gibt uns noch den Tipp am Denali View South zu campen, um hoffentlich am nächsten Morgen den Mount Denali (ehem. Mount McKinley), mit knapp 6200 m Amerikas höchter Gipfel, zu sehen, der sich meist hinter Wolken versteckt.

Denali National Park

Alaska wie in einem Bildband: Entlang des Parkhighways nach Norden tun sich weite Täler auf, gesäumt von den hohen Bergen der Alaskakette (Alaska Range). Immer wieder spiegeln sich die teils schneebedeckten Berge in Flüssen, Seen oder Sumpflöchern.

Wir beschließen, uns solange das Wetter anhält südlich des Denali Nationalparks auf dem Cantwell Campingplatz zu stationieren. Dort geht es entspannt und locker zu: Die Jungs dürfen sogar (mit Papa) auf einem Quad in der Umgebung herumbrettern, der ein paar Zeitarbeitern gehört, die hier in ihren Motorhomes wohnen.

Die Tage im Nationalpark sind spannend, lehrreich und abenteuerlich zugleich. Das Wetter ist außergewöhnlich gut. Wir informieren uns ausgiebig im Besucherzentrum über den Park, seine Tierwelt und die Gefahren, die davon ausgehen können. Ganz Alaska ist Bären- und Elchland. Im Park leben ca. 350 Grizzlys, 53 Wölfe, Kojoten und unzählige Elche, Karibus, Dall-Schafe, Hasen, Adler, Vögel… Die Kinder bekommen Aufgabenhefte, um das Junior Ranger Abzeichen zu erlangen.

Gut informiert und ausgestattet fahren wir zunächst mit unserem Camper bis zum Checkpoint am Savage River, wo wir wandern möchten. Laut Rangers vom „Wilderness Access Center“ befinden sich dort in dieser Jahreszeit keine Bären, weil sie noch die höheren Lagen bevorzugen. Später lesen wir in der Zeitung, dass wenige Tage nach unserem Besuch eine Frau auf einem vom Savage River ausgehenden Wanderpfad von einem Grizzlybären angegriffen wurde. Fehlverhalten in der Gefahrensituation haben den jungen Bären zum neugierigen „Angriff“ verleitet. Statt sich „groß“ zu machen und ruhig auf den Bären einzureden, um sich als Mensch und nicht als potenzielles Nahrungsmittel zu präsentieren, hat sich die Frau auf den Boden gelegt und „tot“ gespielt. Der neugierige Jungbär musste sich das natürlich einmal aus der Nähe anschauen. Die Frau hat die Begegnung leicht verletzt überlebt. Der Bär hat nur Süßes aus dem Rucksack verspeist, den sie ihm zur Ablenkung hingeworfen hat. Das eigentliche Opfer ist nun der Bär, der erschossen werden muss, weil er aus dieser Begegnung gelernt hat, dass Menschen eine einfache Möglichkeit darstellen, an Nahrung heranzukommen.

Wir möchten noch tiefer in den Park hinein und buchen eine achtstündige Fahrt mit einem Parkbus bis zum Eielson Visitor Center. Der Busfahrer hält immer wieder an, damit die Fahrgäste schöne Ausblicke auf den Mount Denali genießen oder Tiere beobachten können. Neben kleineren Tieren wie Schneehasen, Vögeln, Nagern und weiteren Karibus (Rentieren) sehen wir in der Ferne in einem weiten Tal unseren ersten Grizzly. Ein weiterer Grizzly schläft kühl gebettet auf einem Schneefeld. Dann haben wir sogar das seltene Glück einen dritten Grizzly direkt am Straßenrand zu beobachten! Auf der Rückfahrt zu unserem Campingplatz sehen wir in einem Sumpf einen stattlichen Elchbullen, kurze Zeit später rennt ein Wolf vor uns über die Straße. Was für ein Tag!

Eine Aufgabe für die zukünftigen Junior Rangers ist der Besuch des „sled dog kennel“, des parkeigenen Husky-Rudels und der Schlittenhunde-Vorführung. Dann haben Maik und Philipp es geschafft und werden im Besucherzentrum als Junior Rangers vereidigt.


Kenai Halbinsel

Nach dem Besuch des Denali Parks fahren wir wieder nach Süden Richtung Kenai Halbinsel. Nur wenige Meilen südlich von Anchorage biegt die Küste des Cook Inlets langsam in den Turnagain Arm. Dieser breite Nebenarm gesäumt von schneebedeckten Bergen läuft bei Ebbe bis auf schmale Rinnsale leer. Zur Beobachtung von Walen, Robben und Vögel sind immer wieder Aussichtsplätze am Highway eingerichtet. Wir sehen zwar keine Wale, erleben aber das Spektakel des „bordtide surfings„. Surfer nutzen bei Flut die Gezeitenwelle, um stundenlang flussaufwärts im breiten Fjordarm zu surfen.

Am Ende des Turnagain Arms verlassen wir unsere geplante Route und biegen ostwärts in das Portage Tal ein. Eine gute Entscheidung. Am Ende des Tals kann man den Portage Glacier mit seinem gleichnamigen See bestaunen. Vom Besucherzentrum aus machen wir eine geführte Wanderung zum Byron Glacier mit. Unsere Jungs sind außer sich vor Freude, weil sie im Schnee spielen können!

Dann fahren wir weiter durch den (von Autos und Zügen, zeitlich versetzt genutzten) einspurigen Tunnel nach Whittier am Prince William Sound. Hier ist man noch näher an massiven Gletschern und steilen Felswänden mit tiefen Wasserfällen. Erinnerungen an die Ölkatastrophe der Exxon Valdez 1989 kommen hoch, die natürlich längst überwunden ist. Whittier erscheint uns etwas bizarr: ein Ort, der bis vor kurzem eine geheimer Militärhafen war und in dem alle Einwohner der Stadt (angeblich ca. 270) in einem einzigen Hochhaus wohnen.

Vom Turnagain Arm geht es immer weiter südwärts auf die Kenai Halbinsel. Auf dem Weg nach Homer machen wir in Ninilchik Picknick. Zahlreiche Weißkopfseeadler drehen ihre Kreise. Die weißköpfigen Alten meiden aber die Nähe der Menschen, lediglich die braunköpfigen Jungvögel lassen uns näher an sich heranschleichen. Die Kinder nutzen ein altes Boot als Spielplatz. Gegenüber auf der anderen Seite des Cook Inlets steigen verschneite Vulkankegel empor.

Homer ist ein beschaulicher Küstenort. Dort endet die Alaska Route 1 in der Nähe des Fähranleger auf dem Homer Spit. Der Fähranleger ist Teil des Alaska Marine Highway, der  mittels Fähren die Küstenorte miteinander verbindet.
Nach vielen sonnigen Tagen haben wir an der Küste nun Regen, ideales Wetter für ein weiteres Besucherzentrum mit interessanter Ausstellung über die Inselwelt vor der Küste. Auch hier gibt es ein tolles Kinderprogramm: Maik und Philipp müssen Lösungen für ein Aufgabenheft in der Ausstellung suchen und erhalten nun den Titel „Junior Biologist“, ein neues Berufsziel?

Im Norden ist das Wetter besser und wir fahren für vier Tage an den schönen Kelly Lake. Dort können wir direkt am Wasser kostenlos campen. Der Blick über den See ist einfach traumhaft, die Jungs können am Wasser und am Waldrand spielen und es sind auch schöne Wanderwege am See entlang ausgeschildert. Ein Warnschild, dass am „Seven Lakes Trail“, der hier beginnt, vor zwei Wochen ein Bär gesichtet wurde, nehmen wir zur Kenntnis und besprechen mit den Jungs immer wieder, wie man sich in der Wildnis zu verhalten hat. Dass wir den Weg nur ein Stück weit wandern, liegt jedoch nicht am Bären, sondern an der Mückenplage in der Nähe eines Sumpfgebietes. Wir sind zwar nahezu die einzigen, die nicht zum Angeln gekommen sind, gehen aber dafür mit den Fischen baden, schnitzen Spielzeug (diesmal einen Hubschrauber für Maik), sägen Holz, grillen, wandern und lesen bis spät in die helle Nacht hinein.

Am dritten Tag werden wir wieder einmal von amerikanischer Großzügigkeit überrascht: Eine Familie, die gerade ankommt, bietet uns einfach so ihre Kajaks an. Und schon paddeln Maik und Philipp vergnügt über den Kelly Lake. Die freundliche Familie kommt aus Texas, baut aber in der Nähe des Sees ein Haus, in das sie in ein paar Jahre komplett umziehen möchte. Als sie den süchtigen Spaß der Jungs erleben, lassen sie uns spontan die Kajaks über Nacht da. Als Abschiedsgeschenk erhalten wir noch ein Glas selbstgemachten texanischen Honig. Wenn das mal keine Gastfreundschaft ist!

Wir sind hin- und hergerissen: noch ein paar Tage am Kelly Lake bleiben oder auf zu neuen Abenteuern? Eigentlich wollen wir unbedingt noch in den Küstenort Seward, den wir wegen der ständigen schlechten Wettervorhersage auf später aufgehoben haben. Also los.
Vor Seward lockt uns ein Schild zum Exit Glacier in ein westlich quer gelegenes Tal. Schon von der Straße aus ist der Gletscher imposant – aber auch touristisch überlaufen. Wir wandern den breit ausgebauten Weg bis an den Rand des Eisfelds. In der Eiszeit war hier alles mit Eis bedeckt. Zeittafeln entlang des Weges dokumentieren die Gletscherschmelze. Die grauen geröllhaltigen Täler deuten auf (im geologischen Zeitraffer) „jüngst“ geschmolzene Gletscher. Grüne Nachbartäler lassen erahnen, wie sie in tausenden von Jahren aussehen werden.

Da alle Stellflächen für Camper in Seward voll sind, fahren wir zurück Richtung Norden und folgen blind einer Parkplatz-Beschilderung und campen mitten im Wald. Erst am nächsten Morgen entdecken wir bei strahlendem Sonnenschein, dass wir am Einstieg zum wunderschönen Lost Lake Trail gelandet sind. Wir machen uns auf den Weg durch den stark vermoosten Wald und wandern hoch bis zur Baumgrenze. Eine Herausforderung für Philipp, aber mit ein paar geheimnisvollen Geschichten über Trolle, Gnome und grüne Bären (die im Sommer ihre Pelze an die Bäume hängen) sowie den passenden Zaubersprüchen lässt er sich gut motivieren und wandert wacker mit. Am steilen Canyon genießen wir noch den Blick ins Tal und drehen um; der Lost Lake ist uns dann doch zu weit.

Wir hören und lesen immer wieder vom Russian River, einer Gegend, die ideal zur Beobachtung von wandernden Lachsen und Bären sein soll. Unser Ziel sind die Wasserfälle Russian Falls, wo wir hoffen, Lachse springen zu sehen. Auf der langen Wanderung durch den Wald sehen wir (zum Glück) keine Bären aber dafür zahlreiche amerikanische „Helden“, die leicht von den Touristen zu unterscheiden sind: Man(n) trägt immer eine Wumme im Halfter vor der Brust – offen, wie Modeschmuck. Das beeindruckt die Jungs fast noch mehr als ein weiterer Grizzly.

Langsam geht unsere Zeit in Alaska zu Ende und wir haben auch immer weniger Lust, auf engstem Raum zu leben, auch wenn wir viel Spaß miteinander hatten. Der Camper macht zudem langsam den Eindruck, als würde er bald in seine Einzelteile zerfallen, es klappert und scheppert an allen Enden. Wir fahren in zwei Etappen zurück nach Anchorage und machen es uns dort an einem Parksee in der Vorstadt gemütlich. Bei dem etwas grauen Wetter schlägt Annette einen Kinobesuch vor, den wir wieder vergessen, weil die Jungs Spaß am See haben. Am Abend (zur besten Sendezeit sozusagen) bekommen wir unser Livekino auf dem Parkplatz direkt vor unserer Essecke des Campers: Erst patrouilliert ein Polizeiauto heran, kurz danach kommt ein weiteres. Dann noch eins. Die Cops stecken die Köpfe zusammen, ziehen schwarze Lederhandschuhe an, funken, gehen breitbeinig auf unterschiedliche Positionen und sprechen schließlich einen Mann in einem parkenden Auto an. Maik und Philipp kleben an der Scheibe des Campers und streiten um den besten Platz für die ungestörte Sicht. Dann kommt es zur Verhaftung. Der Mann wird in Handschellen abgeführt und sein Pickup abgeschleppt. Das Geschehen ist Thema des Abends und der nächsten Tage. Unsere Jungs haben wieder klare Berufsziele fürs Leben: Polizisten!

Der Tag vor unserer Abreise ist der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag Amerikas. Im Delaney Park am Soldatendenkmal findet eine Gedenkfeier statt, umsäumt von Familienpicknicks und Jahrmarktstreiben. Wir lauschen der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung und Maik und Philipp dürfen mit den einheimischen Kindern die Freiheitsglocke läuten, in Erinnerung an die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung in Philadelphia am 8. Juli 1776.

Als es „bye bye Alaska“ heißt – denn so verabschieden wir uns mittlerweile immer lautstark von unseren Weltreisestationen – sind wir uns wieder einmal einig: Alaska war ein besonderes Highlight auf unserer Reise. Aber der nächste Ort wird sicher das nächste Highlight: Calgary, Kanada, mit dem größten Rodeo-Fest Nordamerikas, der Calgary Stampede.

 

 

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